Interview-Reihe: Willkommen in der Welt der Fernstudenten.

Interview Evi

Interview-Reihe: Willkommen in der Welt der Fernstudenten.

Herzlich Willkommen zum großen Auskotzen über das Fernstudenten-Dasein. Und zum Austausch zu wirklich allem, was dich im Studium bewegt. Außer: Wie die Prüfungsaufgaben in Marketing dieses Mal waren. Das frage ich keinen, denn darum geht es hier nicht. 😉

In dem Interview geht es mir vor allem darum, dass du einmal hinter die Kulissen des Fernstudi-Alltags blicken kannst. Denn der ist ermüdend, manchmal ziemlich zum Kotzen, aber auf der anderen Seite auch wahnsinnig interessant und aufregend.

Deswegen interviewe ich viele verschiedene Fernstudenten, männlich oder weiblich, die mir von ihren ganz eigenen Erfahrungen erzählen. Jeder hat dabei seine eigene Geschichte. Jeder erlebt das Studium und diese Zeit ganz unterschiedlich.

Du bist noch kein Fernstudent? Dann ist das hier eine ehrliche und hochschul-unabhängige Möglichkeit herauszufinden, ob es der richtige Weg für dich sein könnte.

Das hier ist mein aller erstes Interview gewesen. Man war ich aufgeregt. Ich hoffe es gefällt dir.

Ich habe mich diese Woche mit Evi getroffen. Evi ist 27 Jahre alt und ein wahnsinnig sympathischer Mensch. Sie studiert BWL und Wirtschaftspsychologie an der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Evi arbeitet im Sommer in den Bergen auf einer Schweizer Alp. Den Rest des Jahres wohnt sie in Bad Tölz im Alpenvorland.

Sie hat sich für das Interview gemeldet, weil sie sich einfach mal über die letzten vier Jahre auskotzen wollte (Positiv und auch negativ). Ja vier Jahre studiert sie nun schon und ist endlich im März 2016 fertig.

Manchmal muss man über die harten Zeiten im Fernstudium sprechen. Und das macht sie jetzt. Aber lies doch einfach selbst.

Meine Frage: Warum hast du dich denn damals für ein Fernstudium entschieden?

Interview mit Evi

Evi, 27 Jahre alt
Studiengang: BWL und Wirtschaftspsychologie
FernUni: Euro-FH

Evi : Ich war recht lang auf dem Gymnasium, bis ich kurz vor dem Abitur dann die Schule verlassen musste, weil ich einfach jede mögliche Hürde in Grund- und  Leistungskursen gerissen habe. Ich war ein ziemlich faules Stück, muss ich sagen. Nach diesem Abflug konnte ich dann aber noch glücklicherweise das externe Fachabitur machen. Bedingung war, dass ich mir den Stoff der Fachoberschule selbst zu Gemüte führen musste, den Unterricht durfte ich als externe Schreiberin nicht besuchen. Anscheinend hat es „Klick“ gemacht und ich habe mich auf einmal angestrengt. Als ich dann das Zeugnis in der Hand hatte, dachte mir einfach, wenn ich so lange in die Schule gegangen bin und das Abi eben doch noch geschafft hab, kann ich auch studieren.Zitat für das Interview mit Evi

Allerdings habe ich mich gleich nach dem Abschluss schwer getan, mich für einen Studiengang zu entscheiden. Ich wollte auch nicht einfach mit irgendwas anfangen – zu oft hatte ich von anderen Schulfreundinnen gehört, dass die das Studium wieder abgebrochen hatten, weil‘s einfach doch nix war. Daher suchte ich mir erst mal einen Job als einfache Bürokraft – auch über Umwege und wieder an der Schule vorbei, ermöglichte sich ein (auch wieder externer) Ausbildungsabschluss zur Bürokauffrau.. Ich bin froh, dass ich diesen Zwischenschritt eingeworfen habe, denn dadurch kam ich dann drauf, was ich studieren könnte: Es sollte Wirtschaftspsychologie sein.

Nach ausgiebigen Internetrecherchen und einigen Besuchen von Vorlesungen an Unis, entschied ich mich aber wieder für die Variante „zuhause lernen statt Schulbank“ – ich bin einfach ein Selbstlerner, ich muss Zusammenhänge bzw. Thematiken durch eigenständiges „Durchwurschteln“ selber checken, mir bringt des einfach nix, wenn mich ein noch so guter Dozent da vorne zuschwallt. Da kann man mir Sachverhalte tausendmal erklären und ich verstehe trotzdem nix.

Ein Fernstudium ist recht flexibel, es passt sich an deinen Job an und nicht andersrum. Das war ein weiteres wichtiges Kriterium, warum ich mich dafür entschieden habe. Es gibt mir die Möglichkeit arbeiten zu gehen, Geld zu verdienen und eben zu studieren

Meine Frage: Was hat dir während des Fernstudiums am besten gefallen?

Evi: Ganz eindeutig: Die Bekanntgabe von Noten und die Zufriedenheit, wenn der „Prozent-Balken“ auf dem Online-Campus wieder ein Stück gewachsen ist. Wobei ich sagen muss, dass das mit der Zeit auch ein bisschen abnimmt. Anfangs ist man noch total euphorisch und freut sich wie ein Schnitzel, wenn man mal wieder was bestanden hat. Aber nach ein paar Jahren und fortschreitender Annäherung ans „Ende“ ist man dann emotional etwas abgeflacht: „Ah. Ok. Bestanden. Toll.“ Ich habe das auch oft von anderen Mitstudenten gehört.

Apropos Mitstudenten, die sieht man ja recht selten – je nach Konzept des Studiums der jeweiligen Hochschule. Ich hatte sehr selten direkten Kontakt zu Mitstudenten, nur auf Präsenzseminaren. Auf Facebook gibt‘s zwar Gruppen über die man kommunizieren kann, aber es sind halt immer alle unterschiedlich schnell und nie auf demselben „Level“. Daher haben mir die Präsenzseminare (meistens 2 Tage oder auch einmal 2 Wochen) sehr gut gefallen.

Meine Frage: Was hat dir während des Fernstudiums nicht so gut gefallen?

Evi: Wer sich ein Fernstudium aufbürdet, muss damit rechnen, dass das zeitlich ins Privatleben einschneidet. So flexibel es auch ist, es ist dennoch manchmal furchtbar, eine ausgewogene Balance, zwischen Arbeit, Studium & Freizeit, herzustellen.

Klar, der ein oder andere macht halt einfach durch und verzichtet weitgehend aufs Privatleben – aber es gibt eben auch diejenigen, die darauf nicht verzichten KÖNNEN bzw. es nicht zurückschrauben können. Ich denke da beispielsweise an Leute mit Familien. Ich selbst habe zwei Pferde, das sind zwar keine Kinder, aber auch die müssen versorgt werden und das ist denen absolut egal, ob du jetzt Hausarbeit oder Klausur schreiben musst.

Manche Freundschaften leiden auch drunter, genauso wie Partnerschaften. Darüber muss man sich bewusst sein, dass das Umfeld nicht immer Verständnis dafür aufbringt und solche „Reibereien“ enormen Stress auslösen können. Ich nehme das schon wahr, dass ich einerseits für mein Fernstudium bewundert werde. Aber es gibt auch definitiv Gegenstimmen (eben Partner, Familien, Freunde), die da manchmal kritischen Wind mit reinbringen.

Meine Frage: Was war, während dem Fernstudium, für dich die größte Herausforderung?

Evi: Meine gröZitatßte Herausforderung lag darin, das Studium gerade noch im zeitlichen Rahmen zu schaffen. Es gibt bei mir eine Regelstudienzeit von 3 Jahren, diese kann ich um das 1,5-Fache verlängern. Und genau das habe ich so dermaßen ausgereizt, dass es jetzt echt eine Herausforderung ist, alle verbleibenden Fächer noch bis März 2016 (also das Ende meiner Studienzeit) durchzuprügeln. Bis jetzt läuft alles nach Plan, aber nur eine nicht bestandene Klausur würde meinen tollen Plan sofort kaputt machen.

Außerdem hatte ich im letzten Jahr ein ziemliches Motivationsloch. Erstens weil ich sah, wie viele Credits noch ausstehen und weil ich jetzt eigentlich an einem Punkt bin, wo ich mich endlich mal auf andere Dinge konzentrieren möchte. Und zweitens, weil ich, aus der Arbeitswelt und dem Bekanntenkreis, die ein oder andere negative Bemerkung zu meinem Lebenslauf und der Länge meines Studiums bekam. Da kommt man manchmal so an den Punkt an dem man ein wenig zum Zweifeln anfängt. Da muss man einfach Standhaftigkeit beweisen, im Sinne von „Lächeln, nicken …. und weitermachen!“. Dahinter zu stehen was man tut und auf welche Art und Weise. Und das zu lernen, dass man sich von anderen Personen nicht so beeinflussen lassen sollte (vor allem wenn sie selbst noch nie fernstudiert haben), das war für mich eine der größten Herausforderungen. Man sollte sich auf keinen Fall mit anderen vergleichen, wenn man zu viel Wert drauf legt, macht man sich nur nieder.

Hinzu kommt, dass ich mZitat für das Interview mit Evieinen Bürojob vor ca. 1,5 Jahren hingeschmissen habe und aus dem regulären Alltagsschema erst mal ausgebrochen bin. Ich habe bereits 2 Sommer auf einer Alp in den Schweizer Bergen gearbeitet und bin so glücklich mit diesem Job. Da stellt sich natürlich die Frage, was mir das Studium denn überhaupt bringt, wenn ich jetzt anfange mich von meinem früheren Berufsleben abzuspalten. Auch hier kommen wieder viele Meinungen aus dem persönlichen Umfeld, teilweise auch abwertend und überhaupt nicht verständnisvoll. Ich bin nicht unbedingt der Karrieremensch, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass mir das Studium etwas für mich selbst und sehr wohl für meinen Jetzigen Alp-Job gebracht hat (eine Berghütte mit touristischem Betrieb).

Meine Frage: Welche Tipps würdest du gerne anderen Fernstudenten, die noch relativ am Anfang ihres Studiums stehen, geben?

Evi: Fernstudenten sind weitgehend auf sich allein gestellt, es gibt wenig persönlichen Erfahrungsaustausch. Aber dank modernster Kommunikationskanäle 😉 kann man das recht gut ausgleichen. Ich würde ihnen raten, regen Erfahrungsaustausch zu veranstalten. Einfach damit man selber ein Bild davon bekommt, wie man ein bestimmtes Fach am besten anpackt – das spart einfach ein bisschen Zeit und hilft, gleich die richtige Herangehensweise zu finden.

Außerdem find ich es recht sinnvoll, sich ein paar Deadlines zu setzen. Ich konnte mir zum Beispiel meine Klausurtermine selber aussuchen, bzw. auch Zeiträume für Hausarbeiten und so weiter. Anfangs dachte ich immer, ich lern erst den Stoff und dann melde ich mich zur Klausur an – aber das ist totaler Käse, da verstreichen Wochen, bis man gedenkt in der Lage zu sein diese dämliche Klausur zu schreiben.Zitat für das Interview mit Evi

Lieber gleich mal anmelden und sich selbst ein bisschen unter Druck setzen, dann MUSS man nämlich ernsthaft lernen.

Allerdings kommt das immer auf die Hochschule an, es gibt da verschiedene Konzepte, bei denen man sich Klausurentermine eben nicht selber aussuchen kann.

Ich würde auch raten, das Studium einfach durchzuziehen, egal wie lange es dauert. Ein Fernstudium richtet sich nach deinem alltäglichen Leben und nicht andersrum. Ansonsten kann man gleich Vollzeitstudent/in werden.

Meine Frage: Du stehst jetzt kurz vor deiner Bachelor – Arbeit. Was hast du nach deinem Studium vor?

Interview mit Evi, ihre Empfehlung für Fernstudium-Blog.net

“ Ich finde fernstudium-blog.net super, denn es ist eine tolle und vor allem unabhängige Entscheidungshilfe für angehende Fernstudenten. Außerdem kann man sich bei diesem Blog, als Fernstudent, mit anderen Studenten austauschen und sich auch mal so richtig auskotzen. Das brauch ich manchmal“

Zitat für das Interview mit Evi

Evi: In Bezug aufs Studieren hab ich erst mal die Schnauze voll, ein Master wird zunächst nicht folgen. Ich denke ich werde mich auf die Arbeit konzentrieren. Da ich länger im Ausland war bzw. auch erst nächstes Jahr im Herbst wieder zurückkehren werde, muss ich mir hier eine Existenz aufbauen – Job und Wohnung finden und mich vor allem wieder an den deutschen Alltag gewöhnen, das habe ich echt unterschätzt.

 

Außerdem wird die neu gewonnene Zeit für meine Freizeit draufgehen, das ist sicher. Mein jüngeres Pferd wird nächstes Jahr drei und muss mal eingeritten werden. Dann möcht ich mich meiner Malerei mal wieder widmen, die ist absolut zu kurz gekommen in den letzten Jahren. Spanisch habe ich auch schon mal irgendwann angefangen zu lernen, wäre genial wenn ich das nach dem Abschluss dann fortsetzen könnte.

Ich habe allerdings schon den Verdacht, dass es mir nach einem Jahr „Studiums-Abstinenz“ doch wieder ein bisschen zu langweilig ist und ich mich doch noch an einen Master herantraue. Mal sehen.

Ich sehe schon, es wird sicher nicht die Endstation der „Bildungsmeile“ sein, ich hab das Talent, immer viel zu viel vorzuhaben, furchtbar…

Meine Frage: Würdest du dich nochmal für das gleiche Fernstudium entscheiden? Warum?

Evi: Ja ich würde mich nochmal für Wirtschaftspsychologie entscheiden, definitiv. Ich find den betriebswirtschaftlichen Teil einfach sinnvoll, nur mal so für den Fall dass man selber mal was aufmacht oder so. Und Psychologie hat mich schon immer interessiert, weitaus mehr als BWL. Sollte ich mal einen Master machen wollen, wird es denk ich wieder irgendwas in diese „Psycho-Richtung“.

Danke Evi, dass du so lieb warst und all meine Fragen, in diesem Interview, beantwortet hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für den Endspurt in deinem Fernstudium.

Du hast Fragen an Evi ? Willst vielleicht selber gerne Teil dieser Interview-Reihe werden? Gerne kannst du uns unten ein Kommentar hinterlassen. Ich freue mich auf dich.

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